Loch Linnhe

Hier ist man ja nicht nur in den Bergen, sondern auch am Wasser. Loch Linnhe ist wie ein Fjord zum Meer hin offen, weshalb die Gezeiten bereits hier sichtbar sind. Es gibt viele Verzweigungen, zum Beispiel in den Loch Leven.

Loch Leven am Morgen, im Hintergrund Brücke Richtung Onich / Fort William / Loch Linnhe

Da ich gerne etwas am Wasser entlanggehen wollte, war mal wieder guter Rat teuer. Dank maps.me fand ich einen „Weg“, der an der Cuil Bay entlangführte.

Glen Coe

Und wieder mal ist es eigentlich ein sinnloses Unterfangen, Landschaft auf Bilder zu bannen. Dieses Tal ist beeindruckend. Wie schlafende Riesen reihen die Berge ihre Buckel rechts und links der vielbefahrenen A82 auf. Weshalb ich mir selbst auf die Schulter klopfe, zuerst einmal in den Glen Etive abgebogen zu sein. Zugegebenermaßen wegen James Bond.

Das moggimobil ist der Aston Martin. Skyfall.

Der single track road folgend, winden wir uns weiter ins Tal und siehe da: Ein Wanderweg ist ausgeschildert! Also, ein schottischer… Das bedeutet: gut schauen, wohin man tritt, interessante Bachüberquerungen… theoretisch kann man diesem Weg bis in den Glen Coe folgen.

Während ich so am Berg sitze und meinen Mittagsimbiss esse, lässt sich ein junges Paar in der Nähe nieder. Ein unheimliches Geräusch tönt vom Berg. Kühe? Kann nicht sein. Da röhrt es wieder. Ich frage die beiden, was das sein kann. „It’s a stag. He is calling for a maid!“, erklärt der junge Mann. Ach so …

Glenfinnan Viaduct

Schottland ist ja voller Filmdrehorte und ein ganz besonderer ist das Glenfinnan Viaduct, denn hier fährt Harry Potters Hogwarts Express entlang. Und so ist es heute ein bisschen wie Weihnachten, als wir alle (viele deutsche Touristen) dasitzen und auf den Hauptdarsteller, den Jacobite Steam Train warten, der auf dem Rückweg nach Fort William ist.

Und dann kommt er:

Außerdem hielt der benachbarte Loch Shield als Hogwarts-See her, hier mit Glenfinnan-Monument für Bonnie Prince Charlie.

Loch Shield im Dementoren-Look

Mixed Highlands

Da ich heute erst die Bilder von meiner Kamera hochladen konnte, kommen jetzt noch ein paar Bilder von den letzten Tagen:

In meiner (Kindheits-)Erinnerung war Loch Ness immer ein kleiner Tümpel in Schottland, in dem ein Ungeheuer leben sollte. Dunkel kann ich mich noch an Zeitungsschlagzeilen über neue Erkenntnisse und Nessie-Sichtungen erinnern. Heute weiß ich, dass Loch Ness in der Verwerfungslinie des diagonal durch Schottland verlaufenden Great Glen liegt und von Gletschern ausgeschürft wurde. Der See ist fast 40 km lang, aber schmal und stellenweise weit über 200 m tief. Außerdem war ich im Loch Ness Visitor Centre and Exhibition und bin über Nessie aufgeklärt!

In fremden Häusern

Bis in den Peak District verbrachten Marley und ich unsere Nächte auf Campingplätzen. Meine letzten Campingerfahrungen liegen über 25 Jahre zurück und waren nicht immer die besten, zumindest was die Sanitäranlagen betraf. Daher hatte ich mich im Vorfeld mit diversen Accessoires wie papierenen WC-Brillen und jeder Menge Desinfektionsmittelchen ausgestattet. Außerdem wurde ich Jahresmitglied im Caravanclub, da die Plätze im Allgemeinen eine sehr gute Lage haben und ein gleichbleibendes Niveau garantieren und so war es auch. Im Prinzip war ich dann vom Campen ganz angetan: Man ist viel draußen, hält ein Schwätzchen mit dem Nachbarn, kuschelt sich ins eigene Bett. Die Caravanclub-Plätze gleichen einer Jahresausstellung der Motorhome- und Wohnwagenindustrie; wir waren der „schwarze Hund“ auf dem Platz. Apropos: Der Hund machte auch gut mit, musste allerdings immer irgendwie festgebunden sein oder im Auto warten.

Bei sanftem Regenschauer saß es sich gemütlich unter der Markise oder im Bus. Im Peak District war das Wetter dann nicht mehr so lauschig. Zwei halbe Tage plus Nächte verbrachten wir im Bus und wendeten uns von einer Seite auf die andere. An draußen sitzen war bei dem Wind (der Nachbar befestigte tagsüber die Markise netterweise mit Heringen…) und hereinwehender Nässe nicht mehr zu denken. Also griff Plan B:

AirBnB. Glücklicherweise war es kein Problem, im Vergleich zum Caravanclub-Platz geringfügig teurere Zimmer mit Hund zu finden. Außerdem bekommt man einen Einblick in britische Haushalte und Kontakt zu Einheimischen. Auf dem Campingplatz spricht man doch immer nur mit anderen Touristen.

Gesucht, gebucht, hingefahren. Es folgt eine kleine Übersicht:

So kamen wir zu Pam in New Mills, die früher Krankenschwester war, heute Betreuungsdienste anbietet. Sie war supernett, großzügig, das Zimmer prima, das Häuschen typisch: Man steht erstmal direkt im Wohnzimmer, steigt dann schmale Stiegen hinauf und hinunter. Ihr kleiner Hund Milo war genauso großzügig und teilte mit Marley die Berge an Spielzeugen, die im ganzen Haus verteilt lagen.

Nächste Station war Annes Haus in Yorkshire. Anne selbst sah ich nur kurz bei der Ankunft und dann gar nicht mehr, weil sie nach Newcastle fahren musste. Ihre Tochter Beth fragte einfach morgens immer mal, ob ich noch was bräuchte.

In Newcastle wurden wir von Simon und Louise herzlich willkommen geheißen. Ich konnte in die Küche, wann ich wollte, Wäsche waschen, wann ich wollte, alles war immer ok. Diese Menschen lassen (zwar zahlende) Besucher mitten in ihr Haus und teilen ihre Räume mit Leuten, die sie überhaupt nicht kennen. Nicht nur das, ich bin ja auch mal alleine in diesen Häusern. Das finde ich schon bemerkenswert, das könnte ich mir zu Hause nicht vorstellen. Simon und Louise sind selbst gerne auf weiten Reisen unterwegs und mit ihnen hatte ich gute Gespräche, auch über die politische Lage in Großbritannien. Louise kümmert sich um Immobilien und Simon bietet von zu Hause Softwaredienste für kleinere Unternehmen an.

Debbie, die Yogalehrerin, war meine Herbergsmutter in einem kleinen Ort bei Edinburgh. Ihre zwei Salukis waren nett und anschmiegsam, aber Marley fletschte nachhaltig die Zähne, wenn er sie durch die Glastür erblickte, was Debbie nicht daran hinderte, meinen Hund in der späteren Bewertung als „supremely well behaved“ zu bezeichnen. Danke, Debbie!

Margaret aus den Highlands war erstmal überhaupt nicht anwesend. Sie fuhr gerade selbst quer durch England, ich konnte dank Schlüsselbox ins Haus hinein. Auch hier: Was für ein Vertrauen! Sie kam erst mitten in der Nacht an und wurde von Marley in ihrem eigenen Zuhause verbellt. Zum Haushalt gehört noch Ria, eine 14-jährige Springerspanielhündin, die durch das Schwimmen in Lochs immer noch springlebendig ist (man beachte das Wortspiel… ha). Am nächsten Morgen gab sie, also Margaret, mir Wandertipps im Bademantel (hat der Brite an sich offenbar gerne morgens an). Zwischendurch sahen wir uns immer nur kurz, da sie sich zur Arbeit jeden Tag nach Fort William einmal über die Highlands und zurück schwingt. Auf jeden Fall fühlte ich mich in meinem Zimmer mit grandioser Aussicht sehr wohl.

Zum aktuellen Zeitpunkt befinde ich mich im Heim von Michael und Jessica, wobei Jessica gerade ihre 94-jährige Mutter besucht, die seit 30 Jahren in Portugal lebt. Michael wurde am Tag meiner Ankunft 75. Das riesige Haus thront über einem kleineren Loch. Insgesamt können sie 7 Gäste bewirten und über den Sommer waren die Zimmer anscheinend komplett ausgebucht. Es gibt jeden Morgen ein fürstliches Frühstück. Gimmick für Marley ist Dulcie, eine kleine temperamentvolle Labradorhündin, die wir zum Morgenspaziergang mitnehmen. Mehr als 10 Minuten mit ihr halten Marleys Nerven allerdings nicht aus…

Michael ist „Coach“ und ich höre einige von euch schon aufseufzen. Ich habe noch nicht so richtig herausbekommen, was er in seinem erwerbstätigen Leben gemacht hat. Mittlerweile begreift er als seine Aufgabe, Mitmenschen von Blockaden in den Chakras zu befreien. Er habe nach Jahrzehnten Aikido- und Yogatrainings begriffen, dass die Wurzel allen Übels der Menschheit in nicht gelösten Blockaden des Einzelnen liegt. Auch der Klimakatastrophe könne damit geholfen werden. Das klingt jetzt ein bisschen sarkastisch, so wie ich das schreibe und verkürzt mit Sicherheit die vielen Gedanken und Erfahrungen, die er zu dem Thema gemacht hat. Trotz meiner eingeschränkten Fähigkeiten der Nutzung der englischen Sprache in passiver und besonders aktiver Hinsicht, glaube ich nicht, dass die Lösung aktueller Probleme so „einfach“ ist. Außerdem bin ich mit Diskussionen dieser Art zur Frühstückszeit fraglos überfordert.

In der nächsten Woche gondele ich an der Westseite Schottlands wieder nach Süden. Hier habe ich leider keine passenden AirBnBs für uns gefunden, so dass ich auf zwei Hotels ausweichen muss. Mal gucken, wer uns da begegnet…

Black Isle

Black Isle ist keine Insel, dennoch von drei Seiten von Wasser umgeben. Dunkel ist es hier auch nicht; Wälder und Landwirtschaft prägen die Aussicht. Überhaupt ist es hier überhaupt nicht so rau, wie ich mir die Landschaft um Inverness vorgestellt habe. Eigentlich erinnert mich hier vieles an die Eifel. Was es in der Eifel allerdings nicht gibt, ist Clootie Well. Hier sprudelt ein Bächlein aus dem Berg, dem Heilungskräfte nachgesagt werden und so hat man früher ein Stück Kleidung in das Wasser getaucht und dann auf die schmerzende Stelle gelegt. Heute hinterlassen Menschen ein Stück Stoff oder Kleidung an den Ästen der Bäume und Sträucher rund um die Quelle, was insgesamt ein bisschen gruselig aussieht.

Am nächsten Stop, dem Chanonry Point soll man bei Flut vom Strand aus Delfine beobachten können. Doch wir haben leider Pech und außer einem Seehund hebt kein Tier seinen Kopf aus dem Wasser. Da begeben wir uns lieber auf einen schönen Rundweg nach Fortrose, über einen Hügel und Rosemarty zurück zum Ausgangspunkt. In Cromarty werde ich überrascht: Über dem eben noch so friedlichen Anblick der Landschaft erheben sich Bohrtürme im Cromarty Firth.

Zum Abschluss des Tages besuche ich die einzige Distillery der Black Isle: Glen Ord Distillery. Zufälligerweise findet doch noch recht spät am Nachmittag eine Führung statt, die von einem jungen Mann geleitet wird, der dem Aussehen nach bestimmt selbst noch keinen Alkohol trinken darf… auf jeden Fall spricht er sehr klar und verständlich und erklärt den Prozess der Whiskeyherstellung äußerst anschaulich. Die Fahrer unter uns bekommen ein Take-away-Fläschchen der anschließenden Verkostung.

Da ich hier Wifi-mäßig eingeschränkt bin, gibt es nur wenige Bilder. Wobei ich gestern mal wieder festgestellt habe, dass auch die schönsten Fotos doch eben nur ein kleiner Ausschnitt eines Gesamteindrucks sind. Die Ausblicke über die Meeresbuchten bis hinunter zu den Cairngorms, das Wolken-Sonne-Spiel, der Regenschauer, der kilometerweise entfernt gerade niedergeht, das schöne Haus, das ich beim Vorbeifahren sehe, all das lässt sich (von mir zumindest) nicht auf Fotos bannen.

Am Moray Firth

Gestern kam ich am nördlichesten Punkt meiner Reise an. Marley und ich bezogen ein hübsches Quartier mit Ausblick auf Loch Ussie, das in der Nähe von Dingwall liegt , das nordwestlich von Inverness liegt.

Ausblick

Am Tag hatten wir noch zwei schöne Wanderungen bei Aviemore gemacht. Aviemore ist der „Hauptort“ in den Cairngorms und bietet alles, was das Touristenherz begehrt, aber ich war froh, dass wir in den vorangegangen Nächten so idyllisch untergebracht waren.

Da haben wir zwei uns ganz schön erschreckt, als das Ungetüm losfuhr: Strathspey Steam Railway in Aviemore

Der erste Ausflug führte uns auf die Ostseite des Moray Firth, zum Schlachtfeld von Culloden. Hier wurde der Aufstand der Jakobiten von den Engländern blutigst niedergeschlagen und ist wohl bis heute als nationales Trauma zu sehen. Der National Trust for Scotland unterhält hier ein interessantes Visitor Centre und man kann über das Schlachtfeld wandern.

Als Kontrastprogramm zu Krieg und Tod fuhr ich noch weiter bis zur Findhorn Foundation, einst als spirituelle Kommune gegründet, mittlerweile Ecovillage und Bildungszentrum. Leider war ich für die Führung durch das Dorf zu spät dran, das wäre bestimmt interessant gewesen. So kann ich leider nur ein paar Bilder vorweisen.

Working sheepdogs

Da habe ich dauernd Ausschau nach einem Sheepdog trial gehalten und keinen gefunden. Heute fahre ich zufällig an einem dieser großen braunen Touri-Hinweisschildern vorbei und was steht drauf? „Working sheepdogs“! Also, schnell per Internet schlau gemacht und herausgefunden, dass es hier jeden Tag um 16 Uhr eine Vorführung auf der Leault Farm gibt. Neil Ross, der Chef, zeigt als Zusatzeinkommen den Touristen die Arbeit mit den Hunden. Die Farm hat über 3000 Schafe und die Fläche der Farm erstreckt sich über 20 Meilen Richtung Inverness. Die Familie besitzt 18 erwachsene Hunde allen Alters und Welpen.

Die Hunde werden über Sprachsignale und Pfiffe gesteuert und es ist sehr beeindruckend, was sie leisten. Die Ausbildung dauert 2 Jahre. Neil Ross selbst ist ein Original. Zum einen gab er interessante Grundsätze zur Hundeausbildung preis. Außerdem erzählte er, dass er nur mit Rüden arbeite, weil Hündinnen sich alle gegenseitig niedermachten und zum Schluss keiner mehr die Schafe hüten würde. Der Knaller war, dass man Kinder nicht in die Schule geben solle, wenn man wolle, dass sie vernünftig blieben. Seine Kinder hätten alles auf der Farm gelernt. Sicherheitshalber fragte ich den Sohn, der mithalf (ca. 14 Jahre), der bestätigte, nicht in der Schule gewesen zu sein. Tatsächlich, ich habe nachgelesen, sind Eltern weder in Schottland noch in England per Gesetz verpflichtet, ihr Kind in die Schule zu geben.

Beispielhaft wurde ein Leicester-Schaf per Hand geschoren und wer wollte, durfte ein bisschen dabei helfen.

Und noch mehr Eindrücke des Tages: