Sonntagsausflug nach Bath und Castle Combe

Bath ist ein Traum in Kalkstein. Beeindruckend schon bei bedecktem und regnerischem Wetter, muss das Weltkulturerbe bei schönem Wetter mit der Sonne um die Wette strahlen.

Da Jane Austen in Bath einige Zeit ihres Lebens zugebracht hat, ist ihr ein kleines, liebevolles Museum gewidmet. Die Mitarbeiterinnen sind passend wie im 18. Jahrhundert gekleidet, mit Regenjacke und Rucksack fühlte ich mich fast fehl am Platz. Hübsche Idee: Die Toilettenschilder; der Brief hängt übrigens in der Kabine…

Und nun kam doch noch die Sonne heraus. Aus Zeitgründen reichte es zwar nicht mehr für den Bath Skyline walk, aber für den Besuch des hübschen kleinen Dörfchens Castle Combe.

Cotswolds zu Fuß

Das moggimobil durfte sich jetzt mal ausruhen. Marley und ich sind direkt vom Haus aus losgezogen und haben die Umgebung erkundet. Eins kann man sagen: Langweilig wird es beim Wandern in England nicht! Hier einige Eindrücke.

Little Moreton Hall

Auf dem Weg vom Lake District in die Cotswolds suchte ich als Zwischenstopp Little Moreton Hall aus, nördlich von Stoke-on-Trent in Chesire gelegen. Der Herrensitz gilt als eines der besterhaltensten Fachwerke im Tudor Stil in GB.

Lake District Peninsulas

Ein Tag der Gegensätze: Zuerst besichtigte ich Holker Hall und seine Gärten, die auch im Oktober sehr schön sind. Dann ging es weiter auf die Halbinsel Furness, ins Marschland der Irischen See.

Und weil es so schön ist und es auf den Winter zugeht, jede Menge Bilder aus dem Garten!

Außerdem wurde zur Erquickung der Besucher ein Labyrinth mit Steinkreis angelegt.

Einige Kilometer weiter ist ein wesentlich älterer Steinkreis zu besichtigen: Der Steinkreis von Birkrigg Common oder auch Druid’s Circle genannt. Er stammt wahrscheinlich aus der Bronzezeit.

Sozusagen die nordwestliche Einrahmung der Morecambe Bay ist Walney Island, hier bläst der Wind von Irland und der Isle of Man herüber.

Morecambe Bay – Lake District

Zur Zeit logiere ich in Arnside an der Morecambe Bay und auch wenn es ein bisschen zufällig dazu kam, muss ich sagen, dass es ein sehr guter Ausgangspunkt für Ausflüge in diese ausgesprochen nette Ecke des Landes ist. River Kent mündet hier in einem großen Trichter in die Irische See und so hat man hier von allem ein bisschen: Meeresambiente, Blicke in den Lake District und zu den Yorkshire Dales. Bis ins Zentrum des Lake District braucht man 30 bis 40 Autominuten und Liverpool im Süden liegt eineinhalb Stunden entfernt.

Direkt hinterm Haus fangen die Wandermöglichkeiten schon an, also hinauf auf den Knott und von dort weiter nach Silverdale.

Der Lake District erscheint mir auf den ersten Blick wie eine Fortsetzung der Yorkshire Dales, aber mit mehr bling-bling für uns Touristen. Also gibt es in die Hügel eingebettete Seen, auf denen Boote fahren, abwechslungsreiche Wäldchen mit knorrigen Eichen und riesigen Buchen und quirlige kleine Städtchen mit netten Shops.

An der M6

Richtung Süden kommt man zwangsläufig an Gretna Green vorbei. Wem das nichts (mehr) sagt: In Schottland durften Minderjährige auch ohne Zustimmung der Eltern heiraten, was viele dazu veranlasste, nach Gretna Green gleich hinter der Grenze zu England zu flüchten, um dort bei einem Schmied den Bund der Ehe zu schließen. Zu sehen gibt es da heute eigentlich nicht viel, aber es werden trotzdem Busladungen (vieler chinesischer) Touristen angekarrt, außerdem gibt es auch eine Outlet-Mall.

Und dann war ich wieder in England.

Let’s speak English

Ich spreche Englisch, sagen wir mal so mittel. Ich verstehe mehr, als ich selbst aktiv beisteuern kann, aber das ist ja beim Fremdsprachengebrauch immer so. Wenn ich daran denke, wieviele Engländer so Deutsch sprechen können wie ich Englisch, gebrauche ich mein Englisch relativ ungeniert, aber lassen wir das. Bei einem Gespräch muss ich mich schon gut konzentrieren und kann froh sein, wenn ich die passenden Vokabeln für die Antwort parat habe. Bei der Grammatik mag ich mich gar nicht weit aus dem Fenster lehnen und bin trotzdem bisher ganz gut damit durchgekommen.

In England habe ich gelernt, dass immer gern über Hunde gesprochen wird und wenn nicht über Hunde, dann übers Wetter. „It brightens up!“ ist total wichtig oder hier in Schottland: „What a wonderful morning! It’s dry!“

Wenn ich mal nicht so alles verstehe, lächle ich unbestimmt und nicke. Wenn mein Gegenüber auf einer Antwort zu bestehen scheint, muss ich dann doch gegebenfalls nochmal nachfragen oder mir wird die Frage wiederholt. Eine ältere Dame, die ich morgens beim Spülen des Geschirrs auf einem Campingplatz traf, sagte etwas freundlich zu mir, worauf ich mit einer Bemerkung zum Wetter antwortete. Sie schaute unter sich, nahm ihre Sachen und ging. Offensichtlich war meine Strategie bei ihr nicht aufgegangen.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass trotz aller Bemühungen das nicht-metrische System nur sehr verlangsamt in mein Bewusstsein eigedrungen ist. Die Meilenangaben am Navi hatte ich flugs auf Kilometer umgestellt. Dass aber auf den Verkehrsschildern für die Höchstgeschwindigkeit Meilen pro Stunde angegeben sind und keine Stundenkilometer… tja… Bis zur völligen Erfassung dieser Tatsache wunderte ich mich schon hin und wieder über 20er und 40er Zonen, in denen hemmungslos gerast wurde…

Beim Parken auf einem Platz direkt am Meer in Norfolk begegnete mir zum ersten Mal das Schild mit der Aufschrift „Overflow Parking“. Rasch assoziiert bedeutete das für mich, dass man bei einsetzender Flut wohl besser sein Auto auf einen anderen Parkplatz stellt. Dass dem nicht so sein kann, wurde mir erst auf einem Parkplatz klar, der so gar nicht von Wassermassen bedroht sein konnte.

Begegnet man beim Wandern anderen, bekommt man gerne ein Heia oder Heidä zu hören. Da war mir recht schnell klar, dass ein „Hi you“ bzw „Hi there“ gemeint sein muss. Generell fällt die sprichwörtliche Höflichkeit der Briten schon auf. Man macht sich auf einem schmalen Weg dünn, hält den eigenen Hund zurück, bedankt sich. Auch im Straßenverkehr, der sich ja viel auf dem, was wir „Wirtschaftsweg“ im Feld nennen würden, abspielt, wird mit Weitsicht gefahren und in einer der Ausweichbuchten angehalten und sich dann zugewinkt. Wenn man jemanden beim Einfädeln im Verkehr oder Auffahren auf die Autobahn einlässt, blinkt einem als Dank die Warnblinkanlage kurz entgegen. Sogar bei Fußgängern wird sich bedankt, die ein wenig auf enger Straße an die Seite gehen.

Was ich auch noch nicht kannte, war ein „Cheerio!“ als Gruß oder als Verabschiedung.

Interessant (zumindest für mich) meine Assoziation zum Wort „bespoke“, es fiel mir ein paar mal auf Werbeschildern auf. Ganz in mythischer Highland-Denke gefangen, dachte ich zunächst es handele sich um „besprochene“ Dinge, im esoterischen Sinne von verhext oder zu eigen gemacht. Tja, es heißt schlicht und ergreifend „maßgeschneidert“… (bespoke furniture). Man lernt eben nie aus.

Maybe to be continued…

Glasgow

Zwischenstation in der größten Stadt Schottlands. Am ersten Tag schlage ich mich tapfer mit dem moggimobil durch den Glasgower Verkehr. Mein Ziel ist der Botanische Garten. Tatsächlich hat Glasgow mehr als 90 öffentliche Parks und Gärten und ich stelle fest, dass man ohne viel Mühe immer im Grünen entlang des River Kelvin spazieren könnte.

Im Kelvingrove Park befindet sich die Kelvingrove Art Gallery and Museum, ein schönes Museum, das seine Besucher ein bisschen an der Hand nimmt und an einzelnen Kunstwerken bestimmte Schwerpunkte verdeutlicht, z.B. wie man Kunst wahrnimmt; welche Geschichte ein bestimmtes Bild erzählt und so weiter. Vielleicht ist es deshalb das meistbesuchte Museum des Landes außerhalb Londons. Bonbon des Tages: In der zentralen Halle des Museums gibt es eine Orgel, auf der jeden Tag um 13 Uhr ein kleines Konzert gegeben wird.

Tag 2 wird bereichert von Johnnie. Eine kurze Recherche hat ergeben, dass auch in Glasgow eine Walking Tour angeboten wird, angeboten von Glasgow Gander. Darf der Hund mit? Klar, sind ja unsere „canine cousins“. Heute ist wieder Fahren mit dem ganz großen Bus angesagt. Da ich weder das passende Geld noch die passende Karte habe, lässt uns der Fahrer kurzerhand kostenlos mitfahren, mit der Auflage, für die Rückfahrt 2,50 GBP bereit zu haben. Ich bin nahezu sprachlos und stelle mir die gleiche Szene in Berlin vor…

Am Treffpunkt werden Marley und ich mit Handschlag begrüßt. Johnnie bemüht sich noch, weitere Interessenten für seine Tour zu finden. Doch die Saison neigt sich dem Ende entgegen und so sind wir eine kleine Gruppe aus 4 Personen, Guide und Hund. Johnnie spricht trotzdem so überzeugend, als würden 40 vor ihm stehen. Neben den üblichen geschichtlichen und architektonischen Informationen bringt uns Johnnie auch besondere Orte näher. Wie zum Beispiel die Steps Bar. Das große rote T draußen zeigt an, dass hier Tennant’s ausgeschenkt wird, Bier der heimischen Brauerei. Innen gibt es einige Besonderheiten:

Noch so ein „hidden gem“ in Glasgow ist das Britannia Panopticon.

Freiwillige haben sich hier zusammengetan, diese Music Hall vor dem endgültigen Verfall zu retten und Johnnie konnte sehr gut vermitteln, was früher in diesem Haus los gewesen sein musste. Wie man auf dem Plakat sieht, hatte Stan Laurel hier seine ersten Auftritte (1906!)

Auf unserem Weg durch die Stadt kamen wir an drei tollen Street-Art-Kunstwerken vorbei; es gibt noch mehr, zu entdecken auf dem City Centre Mural Trail.

Die Tour endete an der Glasgow Cathedral und der Necropolis. Damit ich mir kurz die Kathedrale von innen anschauen konnte, passt Johnnie sogar noch auf Marley auf. Thank you!

Wer mal nach Glasgow kommt: Dringende Empfehlung! http://www.glasgowgander.com

Bye bye Highlands

Mein Weg aus den Highlands führte über die A82 nach Glasgow. Es ist eine der Panoramastraßen Schottlands, leider fehlt es hier ein bisschen am Ausbau von Parkplätzen an den „panoramic viewpoints“. Zum Glück hielt ich am einzigen P an, um aus dem Fenster heraus über das Rannoch Moor zu fotografieren. Eine eindrückliche Landschaft, doch dann musste ich meine Augen auf die Straße richten.

Später erscheinen pittoreske Haltemöglichkeiten wie an den Falloch Falls und am Loch Lomond. Offensichtlich bemüht man sich, noch einige Schwachstellen an der Straße vor dem Winter zu reparieren, denn an etlichen Baustellen wird gewerkelt. Dass der Winter in den Highlands streng und schneereich sein kann, verdeutlichen überall auf den Höhen die Stangen, die dann den Verlauf der Straße markieren sollen, so wie in den Alpen.

Im Balloch Castle and Countrypark spazierten wir schöne Wege entlang; im Geilston Garden des National Trust war der Hund nicht zugelassen. Die wunderbaren Dahlien hatte ich an anderer Stelle gezeigt.